Wolf Crefeld, emeritierter Professor an der Evangelischen Fachhochschule Bochum, ist Psychiater. "Die ambulante psychiatrische Versorgung ist vielerorts mangelhaft", sagt Crefeld. "Was man braucht, sind ambulante Dienste, die mobil arbeiten und auf jeden Fall Menschen mit schweren psychischen Störungen unterstützen, wenn sie in einer Krise sind." Bei solcher Betreuung sei die Chance "wesentlich größer, es frühzeitig zu merken, bevor jemand wie in diesem Fall eine Amokfahrt durch die Stadt macht".
Dem Freistaat Bayern wirft Crefeld vor, kein eigenes Psychiatrie-Krankengesetz zu haben, das gefährdete Personen schützt. Crefeld: "Die Gesetze in Bayern sind nur auf Gefahrenabwehr ausgelegt, nicht auf die Kranken."
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Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ist gerade in Regensburg auf Wahlkampftour, beantwortet in einem Saal des früheren Augustinerklosters unter barocken Putten Fragen zur inneren Sicherheit. Gibt es zu wenige psychologische Schulungen für Polizisten? "Die bayerische Polizei ist auf solche Situationen sowohl in der Ausbildung als auch in der Ausstattung gut vorbereitet", findet der CSU-Politiker. "Notfalls hat bei einem Amoklauf jede Polizeistreife eine Maschinenpistole im Kofferraum. Wenn sie einen Gewalttäter stoppen muss, gibt es die Möglichkeit, konsequent auf ihn loszugehen."
Aber sind Waffen die Lösung?
http://www.welt.de/politik/deutschland/article118890525/Mollath-und-der-Todesfahrer-Irrsinn-in-Regensburg.html


Das Bundesjustizministerium hat vor kurzem aus Anlass der Debatten um den Fall Mollath viel zu wenig beachtete Eckpunkte für eine Reform des Maßregelvollzugsrechts vorgelegt und darauf hingewiesen, dass sich in den vergangenen 16 Jahren (bezogen auf die alten Bundesländer) die Zahl der im Maßregelvollzug untergebrachten Straftäter mehr als verdoppelt hat – und die Zahlen steigen weiter an.
Das Ministerium führt den steilen Anstieg der Unterbringungen auf weniger Entlassungsempfehlungen seitens der Sachverständigen, auf stärkeres Sicherheitsdenken und auf eine „punitive Grundstimmung in der Kriminalpolitik“ zurück. Das klingt plausibel – und wirft gleichzeitig die Frage auf, wieso der Fall Mollath in der ansonsten eher sicherheitsfixierten Öffentlichkeit, in der Toleranz gegenüber psychisch Kranken nicht gerade groß geschrieben wird, eine so vehemente Justiz- und Psychiatriekritik mobilisiert?
http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/massregel-fuer-die-gesellschaft


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Zusammenschluß Bayrischer Bildungsinitiativen e.V.