"Die Zahl der Forensik-Patienten ist in Bayern so stark gestiegen wie in keinem anderen Bundesland:Justizebenen.jpg
1170 Menschen waren Ende 2012 nach Paragraf 63 in einer psychiatrischen Klinik untergebracht - so wie bis vor kurzem auch Gustl Mollath. Doppelt so viele wie vor 15 Jahren. Er werden mehr Menschen eingewiesen als entlassen. Verweildauer länger."
- Sonntag, 9. Februar, 9.15 und 12.15 Uhr Funkstreifzug in b5aktuell
www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/der-funkstreifzug/forensik-rechtsfreier-raum-100.html

Forensik ist wie Knast. Nur noch geschlossener.

Im Gefängnis ist ein Kommen und Gehen. In der Forensik ein Bleiben.
Der schlimmste Nachteil: Der Aufenthalt, vom Staat finanziert, trägt die Psychiatrie mit, in der Rechnung der Klinikkonzerne.
So bleibt kein Bett leer: Die Gerichte liefern nach.

Tatsächlich psychisch Kranke, geplagt mit Wahnvorstellungen, belasten Patienten und Personal, die oft nur mit eigener Sucht, Entzug und Arbeitsplatzangst belastet sind. Ein Zusammenleben in den Wohngruppen ist daher immer nur bedingt möglich, im Zimmer - vor allem bei Überbelegung zu dritt - oft eine Zumutung.

Menschen, die einfach nur vom Leben gekränkt, den Freitod suchten, werden geplagt wie Menschen, die sich nur ungerecht behandelt fühlten. Die Anwälte sehen oft nur die Krankenakten und hören die Meinungen der Ärzte, ein gemeinsames Gespräch ist noch nicht an der Tagesordnung.
Patientenvertretung gibt es auf dem Papier, wie eine formale Kontrollkommission des Sozialministeriums: Eine Farce. Alle zwei Jahre zum Kaffee beim Klinikchef.

Entlaß-Management für die Standard-Patienten. Keine Gnade für Querulanten.
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Die Bezeichnung Querulant, einmal aus den geruhsamen Amtsstuben jemand angehängt, der oder die sich beschwerte oder eine Eingabe versuchte, ist ein halbes Todesurteil.
Suchtkranke können nach dem Entzug mit einer Wiedereingliederung rechnen, Menschen ohne Krankheitseinsicht bleiben da.
Ein Teil der Regelungen ist wie Erziehung an Erwachsenen, aber: Möchten sie noch erzogen werden?
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Das schlimmste ist die unfreiwillige Medikation: Pharmazeutische Ruhe.

Haldol war über viele Jahre das billige Mittel der Wahl: Betonspritzen von den Häftlingen und Patienten genannt: Auch in den Knästen war damit sofort jeder Widerstand gebrochen: Der Körper braucht einige Tage, um überhaupt wieder auf die Beine zu kommen, danach fühlt sich alles taub und schwer wie Beton, die Erinnerung reicht, um als Drohung jedes Fehlverhalten zu vermeiden. Die Verabreichung kostet den Betroffenen auch später noch Lebensjahre, die er früher stirbt.

Ärzte und Kliniken, die das vermeiden wollen, brauchen bei Unruhe und Wahnvorstellungen andere Methoden: Fixierungen und Beruhigungsmittel anderer Art.
Die Anwendung von Zwang regelt seit Februar 2013 ein Bundesgesetz neu. Jeder Eingriff muss dokumentiert und ärztlich begründet werden. An der Anwendung in den Ländern wird noch gebastelt.

Das Unbewusste der Wahnkrankheiten und des Sicherheitswahns unserer Regierung ins Bewusstsein holen

Hinter jeder Wahnvorstellung steckt eine Angst oder ein Wunsch. Das erfordert Therapie und angemessene Sicherung. Es wäre ein ehrenwerter Berufsstand.
Hinter der Wahnvorstellung, wir könnten alle Straftäter weg sperren, steckt eine billige Vermeidungs-Strategie: Nicht sehen wollen. Dafür sollte sich niemand hergeben.
Die Psychiatrie und die Forensik müssen in allen ihren Ebenen sprechende Berufe werden, die lernen, über ihre Erfahrungen zu reden. Auch die Medizin war kritisierbar ...